Die Stiftung


Der Förderverein Louis-Spohr-Stiftung e. V. hat sich zur Aufgabe gemacht, die musikalische Bildung und Erziehung im Sinne Spohrs zu unterstützen. Dies soll insbesondere durch die Verleihung von Förderpreisen für den begabten Nachwuchs verwirklicht werden. 

 

Er ist im Auftrag der Louis-Spohr-Stiftung tätig und wurde  am 1. März 1994 als Louis-Spohr-Förderverein e.V. von Kasseler Bürgern gegründet, getragen von dem Gedanken, den in Kassel weitestgehend in Vergessenheit geratenen Musiker Louis Spohr in der deutschen Öffentlichkeit wieder etwas bekannter zu machen und in seinem Sinne "humanitär" tätig zu werden. Louis Spohr wurde 1805 in Gotha in eine Freimaurerloge aufgenommen. Diese Tatsache und der humanitäre Aspekt veranlassten die Kasseler Freimaurerloge "Durch Licht zum Frieden" mit einer großzügigen Spende die Basis für die Arbeit zu schaffen. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums übertrug der Förderverein einen wesentlichen Teil seines Vermögens auf die unter dem Dach der Kasseler Bürgerstiftung vom Förderverein eingerichtete unselbständige Louis-Spohr-Stiftung.

 

Seit der Gründung 1994 wurden schon unzählige Konzerte an unterschiedlichsten, wunderbaren Orten im Kreis Kassel veranstaltet, wovon einige auch der Öffentlichkeitsarbeit dienten, um auf unsere Arbeit im Sinne des großen Kasseler Musikpädagogen Louis Spohr aufmerksam zu machen und die Mittel für die Förderung der Jungen Musiker ein zu werben.

 

Ein Berliner Mäzen ermöglichte uns z. B. die Finanzierung eines Stipendiums für eine junge polnische Pianistin an der Moskauer Tschajkowsky Universität. Nach ihrem Abschluss in Fort Worth in Texas ist Dr. Graciella Kowalczyk heute eine in den USA und in Übersee gefragte Musikdirektorin und Konzertpianistin.

 

Etwa 100.000 € haben wir seit unserer Gründung für die Nachwuchsförderung ausgeschüttet. Wir haben unter eigenem Label Tonträger produziert und inzwischen Heft 18 der Spohr Schriften verlegt. Herausgeber und Autor der Reihe ist der Kasseler Musikwissenschaftler und Kurator unserer Stiftung Dr. Wolfram Boder.

Für Inhalte und Niveau der Internationalen Louis-Spohr-Wettbewerbe war von Beginn an Hans-Dieter Uhlenbruck (Direktor der Kasseler Musikakademie i. R.) und danach Kurator Bernhard Lang (langjähriger erster Kapellmeister am Kasseler Staatstheater) federführend verantwortlich. 

In der Jury wirken ehrenamtlich externe Fachleute wie Kurator Lothar R. Behounek (Direktor der Landesmusikakademie Hessen) oder Solisten des Kasseler Staatsorchesters.

Der Leiter des Heeresmusikkorps Kassel, Oberstleutnant Reinhard Kiauka, steht in der militärischen Nachfolge von Louis Spohr, dessen „Buntes Orchester“ maßgeblich aus Militärmusikern bestand. Zwei Jahre Juryarbeit, mehrere Benefizkonzerte z. B. im Musensaal von Schloss Wilhelmsthal und die dort mitgeschnittene CD „An Höfen und Tafeln...“ zeugen von dem ehrenamtlichen Engagement des Kurators unserer Stiftung.

 

Mit der Durchführung der Stiftungsarbeit ist der Förderverein Louis-Spohr-Stiftung e. V. betraut. Er nimmt die Funktion des Stiftungskuratoriums wahr. Zustifter können im Förderverein Louis-Spohr-Stiftung e. V. mitarbeiten und so Einfluss auf die Stiftungsarbeit nehmen. Dem Vorstand steht ein fachkundiger Beirat zur Seite. Dieser macht u. a. Vorschläge für die Wettbewerbe und legt deren Ausschreibungsmodalitäten fest. Die Unabhängigkeit des Beirats (Jury) garantiert, dass die Leistung der Nachwuchskünstler in den Wettbewerben neutral und fachlich kompetent bewertet wird. Der Förderverein finanziert sich durch Erträge aus dem Stiftungsvermögen, Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Arbeit in der Stiftung und im Förderverein erfolgt ehrenamtlich.

Unser Logo


Das Logo der Louis-Spohr-Stiftung ist aus zwei Symbolen zusammengesetzt:

Wir haben das Wahrzeichen Kassels, das Herkules-Denkmal auf der Wilhelmshöhe, dessen stilisierte Silhouette von Osten aus gesehen wie ein spitzwinkliges Dreieck den Habichtswald überragt, in die oberste Notenlinie aufgenommen.

Der Takt selbst ist ein Facsimile von Louis Spohr.

Nachdem Fesca, ebenfalls Komponist und Geiger, seinen Namen in Form von Noten darstellte wurden Spohr und seine Kollegen daraufhin wegen ihrer unmusikalischen Namen verspottet. Mit Hilfe der ehemals gebräuchlichen Abbreviatur des piano in po. und einer Viertelpause, die in der Notenschrift wie ein r aussieht brachte Spohr aber schließlich doch etwas Musikalisches aus seinem Namen zustande.

 

Das Logo der Louis-Spohr-Stiftung ist seit 2004 als eingetragene Marke gesetzlich geschützt.

 

Die Geschichte des Logos ist in dem nachstehenden Text zusammengefasst

 

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Louis-Spohr-Netzwerk


Louis-Spohr-Netzwerk Stand Dezember 2020, L. Becker

Weitergehende Hinweise zu ausgewählten Institutionen am Ende des nachstehenden Textes 

Louis Spohr: Ab nach Kassel!

 

Es wurde Zeit! Viele Jahre lang war Louis Spohr als umjubelter Geigen­virtuose und Komponist in Europa unterwegs, gefeiert von Presse und Publikum. Inzwischen hatte er auch eine Familie gegründet und hatte, wie auch seine Frau, das Bedürfnis, sesshaft zu werden. Da wurde ihm die Stelle als Hofkapellmeister in Kassel angeboten – und Spohr griff zu! Er handelte einen für ihn günstigen Vertrag mit dem Kurfürsten aus, der ihm eine Anstellung auf Lebenszeit garantierte, zusammen mit einem ansehnlichen Gehalt. Auch eine schöne Wohnung hatte er an der „Schönen Aussicht“ angemietet.

 

Am 14. Januar 1822 kam Louis Spohr in Kassel an, seine Familie kam erst im Frühjahr nach. Was mochte ihm wohl alles durch den Kopf gegan­gen sein? Wie würde er wohl mit dem neuen Kurfürsten Wilhelm II klar kom­men? Würde er das Niveau des Orchesters heben können? Er konnte nicht ahnen, dass ihm das in höchstem Maße gelingen sollte. Ob seine Vorstellungen von erfolgreicher Chorarbeit sich wohl verwirkli­chen lie­ßen? Weiter konnte er nur hoffen, dass er sich im Kampf gegen die oft fehlende Achtung der Menschen gegenüber Musikern wenigs­tens in Kassel durchsetzen konnte. Zu oft hatte er diesen mangelnden Respekt erfahren. Sein soziales Gewissen sollte ihm Richtschnur sein bei der Be­handlung der ihm untergebenen Musiker.

 

Für seine Zeit ungewöhnliche Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Auf jeden Fall hatte er vor, trotz aller Verpflichtungen im Hoftheater seine Vorstellungen vom richtigen Geigenspiel weiterzugeben. Würde er ge­nügend Schüler finden? Voller Pläne begann Spohr seine Tätigkeit in Kassel, nicht ahnend, dass auch manche Schwierigkeiten mit seinem Arbeitgeber auf ihn warteten; nicht ahnend, wie sich trotz allem sein Ruhm in aller Welt ausbreiten würde; nicht ahnend, wie privater Schmerz durch den Tod von Frau und Tochter sein Leben veränderte; nicht ahnend, wie eine neue Ehe ihm neue Schaffenskraft verleihen sollte. Noch lag all das im Dunkeln, was wir heute von seiner schaffens­frohen Zeit in Kassel wissen. 37 lange Jahre voller Erfolg waren Spohr in Kassel vergönnt. Nach gut 160 Jahren fragen wir uns: Was ist aus dieser Zeit heute noch gegenwärtig? Was ist geblieben? Welche Spuren hat Spohr in Kassel und in seinem Lebensumkreis hinterlassen? Gehen wir dem ein wenig nach.

Sicher, dieses Organigramm sieht in seiner grafischen Form recht nüch­tern aus. Man muss es mit Leben erfüllen, wobei es gilt, zuerst nach die­sem Leben zu suchen. Beginnen wir mit der Suche in Kassel. Da fällt mir natürlich zuerst das Spohr-Denkmal ein, das unter großer Anteilnahme (und vorausgehender finanzieller Beteiligung) der Bevölkerung 1883 an­lässlich seines 100. Geburtstages auf den Opernplatz gestellt wurde – eine Idee, die aus der Bürgerschaft Kassels kam.

 

Erst sehr viel später (1908) bildeten an Spohrs Andenken interessierte Menschen einen Verein mit dem Namen „Internationale Louis-Spohr-Gesellschaft e. V. Kassel“. Dabei wirft allerdings das Wort „Internatio­nal“ Fragen auf, da man daraus auf Ableger der Gesellschaft in ande­ren Orten der Welt schließen könnte. Dem ist aber nicht so, aber viel­leicht ist der internationale Austausch der Spohr-Experten gemeint.

 

Nach der im Dritten Reich allerorten üblichen Konfiszierung von Expo­naten und anderen musealen Gegenständen aus Museum und Spohr-Archiv sowie Gleichschaltung und Auflösung der Spohr-Ge­sellschaft war es der privaten Initiative von Herfried Homburg zu ver­danken, dass die „Internationale Louis-Spohr-Gesellschaft“ und das „Spohr-Museum“ nach dem Krieg wieder gegründet wurden und ihre Arbeit wieder aufnehmen konnten. Durch eine vertragliche Vereinba­rung mit der Stadt Kassel sind Museumsleitung und Museum (finanziell) eng miteinander verwoben. Deutlich sichtbar ist die Spohr-Gesellschaft heute vor allem durch das vom Ver­ein betriebene „Spohr-Museum Kassel“. Wegen der Sanierung von Schloss Bellevue an der Schö­nen Aussicht ist es z. Zt. im Süd­flügel des alten Hauptbahnhofs untergebracht. Ein hochinteressan­tes Museum, aber seine Außenwirkung ist doch sehr be­grenzt. Es gibt Kasseler Bürger, die noch nicht einmal von seiner Existenz wissen. Sicher, sein Standort ist nicht gerade optimal, abgele­gen und schwer zu fin­den. Da aber die Rückkehr in das Schloss Belle­vue fest für 2021 verein­bart ist, kann man nur hoffen, dass es dann zu einem attrak­tiven Ort der Spohr-Pflege wird. Mit einem kleinen Veran­staltungssaal soll das Schlösschen ein Zentrum für Kammermusik wer­den, in dem nicht nur Spohr, sondern auch Werke anderer Kasseler Grö­ßen aufgeführt wer­den sollen.

 

Aber es gab auch andere Menschen, die sich für Spohr besonders in­teressierten und sein Ansehen noch mehr ins Bewusstsein der Bevölke­rung rücken wollten. 1994 bildete sich der „Förderverein Louis-Spohr-Stiftung“ (und 10 Jahre später die ins Leben gerufene „Spohr-Stiftung“) und holte mit dem „Internationalen Louis-Spohr-Wettbewerb“ talentier­te junge Künstlerinnen und Künstler nach Kassel. Viele Kasseler Bürger werden sich an die begeisternden Abschlusskonzerte mit Preisverlei­hung erinnern („Louis-Spohr-Förderpreis“ und „Louis-Spohr-Publikums­preis“). Das nach Spohrs begabtestem Schüler benannte „Hugo-Staeh­le-Festival“ und dem damit verbundenem „Hugo-Staehle-Stipendium“ ist ein weiterer Schwerpunkt dieses Vereins.  Hinzu kommen verschiede­ne Konzerte, bei denen natürlich auch Spohr-Musik ertönt; es gibt ei­nen „Musikalischen Stammtisch“, hin und wieder einen „Musikspazier­gang“ und – nicht zu vergessen – die Reihe „Spohr-Schriften“, welche die Mu­sikstadt Kassel in ihren ganz unterschiedlichen Aspekten und Ausprä­gungen schildert.

 

Eine weitere Initiative ist das „Kammerorchester Louis Spohr“, eine pri­vate Gründung von Wolfram Geiss, Solocellist am Staatsthea­ter Kassel und Dozent an der Musikakademie der Stadt Kassel, die damals noch nicht Spohrs Namen trug. Geiss war mit seinem „Pallas Trio“ an der Pro­duktion der ersten CD beteiligt, die die „Louis-Spohr-Stiftung“ in Zusam­menarbeit mit Wintershall herausgegeben hat – natürlich mit Spohr-Musik!

 

Erinnern möchte ich noch an die „Spohr-Sinfonietta“ unter Lore Schrett­ner, die über viele Jahre hinweg im Januar eines jeden Jahres ihre Neu­jahrskonzerte gab. - Alles in allem eine beeindruckende Fülle von priva­ten Initiativen rund um Louis Spohr.

 

Wirft man einen Blick auf die Spalten rechts und links des Organi­gramms, so sieht man, dass auch Spohrs Geburtsort Braun­schweig, der Ort seiner Kindheit Seesen und seine langjährige Wir­kungsstätte Gotha des großen Musikers Spohr in verschiedener Weise gedenken. Nicht zu vergessen den „Mitteldeutschen Sängerbund Kas­sel“, der eine „Louis-Spohr-Plakette“ verleiht.

 

Noch einmal zurück zur Stadt Kassel. Von offizieller Seite – also auf Initia­tive der Stadt – wurde auch einiges auf den Weg gebracht. Bereits 1847 wurde Spohr anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums zum Eh­renbürger der Stadt ernannt. Später benannte man eine Straße nach ihm, die aber von vielen Bürgern nur mit dem lange Zeit dort beheima­teten Finanzamt in Verbindung gebracht wurde. Warum man diese kleine Straße wählte, war damals klar: An der Ecke zur Kölnischen Stra­ße stand das Wohnhaus, das Spohr rund 30 Jahre lang bewohnte. Aber wer weiß das schon? Anderenorts ist es üblich, an solch markanten Stellen eine Möglichkeit zu schaffen, sich an eine/n der großen Töchter oder Söhne der Stadt zu erinnern. Aber das kann man ja noch nachho­len …

Vor ungefähr 100 Jahren, als die Stadt Kassel begann, Ehrengräber für verdiente Kasseler Bürgerinnen und Bürger einzurichten, gehörte Spohr sicher zu den ersten, denen diese Ehre zuteil wurde. Aber all das ist lan­ge her! Könnte z. B. nicht wieder einmal eine von Spohrs Opern im Staatstheater aufgeführt werden so wie vor einiger Zeit Spohrs Oratori­um „Die letzten Dinge“ durch die „Louis-Spohr-Akademie“ (siehe un­ten!)? Ich erinne­re mich, dass vor Jahrzehnten das „Spohr-Quartett“ durch die Kasseler Schulen zog, um den Kindern klas­sische Musik (und auch die Instrumen­te) nahe zu bringen? Schon da­mals, vor über 50 Jahren, musste der 1. Geiger den Kindern erklären, dass das Standbild auf dem Opernplatz nicht den „alten Brenninkmey­er“ zeige, der Geige spielt, sondern dass das der berühmte Geiger und Komponist Louis Spohr sei. Heute müsste wohl der „alte Fielmann“ her­halten! Interessan­terweise befindet sich dieses Fachgeschäft in einem Geschäftshaus, das man bis heute „Kommandantur“ nennt. Hier wohnte damals der amtierende Kasseler Stadtkom­mandant Staehle, der Vater des ein­gangs erwähnten Spohrschülers Hugo Staehle. Heute wird man sicher andere Mög­lichkeiten finden, an Spohr zu erinnern, aber die­se Aktion war ein Beispiel, wie man sich Ge­danken machte, um ein Ziel zu errei­chen (man muss allerdings auch ein Ziel haben!). 

 

Obwohl die Stadt Kassel zu Lebzeiten Spohrs und lange danach allein seinetwegen in aller Munde war, scheint er zur Zeit fast vergessen zu sein. Gut, die Musikakademie der Stadt Kassel erhielt vor einigen Jah­ren nach einer privaten Anregung den Zusatznamen „Louis Spohr“. Aber hätte man die Akademie nicht selbstbewusst „Louis-Spohr-Aka­demie“ (siehe oben) nennen können? Man sagt ja auch nicht „Schule der Stadt Kassel ‚Albert Schweitzer‘“, sondern „Albert-Schweitzer-Schu­le“ – oder „Jacob-Grimm-Schule“ oder „Fraunhofer-Institut“ …

 

Wenn ich an das prächtige Spohr-Denkmal mitten in der Stadt denke, dann spürt man etwas von dem Stolz der Bürger und ihrem Willen, die­sen in Form eines Denkmals zum Ausdruck zu bringen. Spohr hätte das gefreut! Was wohl die Brüder Grimm zu ihrer zwergenhaften Darstellung gesagt hätten? Egal, Schwamm drüber!

 

Nun wird sich die Stadt 2021 sicher ins Zeug legen, um das „Spohr-Mu­seum“ im neuen Standort standesgemäß zu etablieren. Ich bin erwar­tungsvoll gespannt. Doch ich habe noch das Jahr 2022 im Blick! War­um? Genau vor 200 Jahren kam Louis Spohr nach Kassel mit all den Plä­nen und Gedanken, wie ich sie am Anfang geschildert habe. Wäre das nicht ein Grund für ..., ein Anlass, um ..., eine Chance, Spohr zu ...? Zeit genug wäre ja noch!

 

 

Jürgen Pasche, Dezember 2020

 


Landesmusikakademie Hessen, Schloss Hallenburg

 

Das Foto zeigt den Eingang zum Konzertsaal der Landesmusikakademie

 

Text zum Louis-Spohr-Saal im 1. OG des Schlosses:

 

Louis Spohr 

(5. April 1784 bis 22. Oktober 1859) wirkte ab 14. Januar 1822 als Kurfürstlicher Kapellmeister, Violinvirtuose, Komponist und Musikpädagoge in Kassel.

 

Als Louis Spohr am 14. Januar 1822 in Kassel einzog, fand er eine lange Musiktradition vor. Die Kasseler Hofkapelle, 1502 gegründet, war das älteste Orchester in Deutschland. Oper und Hofkapelle erreichten unter den Landgrafen Carl und Friedrich II. ein hohes Ansehen. Mit einem Jahresgehalt von zweitausend Talern wirkte Louis Spohr als Hofkapellmeister unter Kurfürst Wilhelm II. Durch seine intensive Orchesterarbeit verwandelte er die Kasseler Hofkapelle innerhalb kurzer Zeit in ein "europäisches Spitzenorchester", das berühmte "Bunte Orchester", das aus Militärmusikern in den damals üblichen bunten Uniformen und einer Reihe von sehr guten, von Spohr verpflichteten "zivilen" Musikern bestand. Die Jahre 1822-1832 sind als Glanzzeit der Kasseler Bühne in die deutsche Operngeschichte eingegangen: 40 neue Opern brachte Louis Spohr in dieser Zeit auf den Spielplan. Davon waren eine Reihe Erstaufführungen, z. B. Webers "Freischütz" (1822) und Rossinis "Wilhelm Tell" (1831).

Bereits 1 1/2 Jahre nach seinem Dienstantritt in Kassel gelang Louis Spohr mit der Uraufführung seiner Oper "Jessonda" anlässlich des Geburtstages seines Landesherrn am 28. Juli 1823 ein großartiger Erfolg. Weitere Opern folgten. Spohrs kompositorische Arbeit ist in annähernd 300 Werken, darunter viele Opern, (Violin-) Konzerte und Kammermusikliteratur überliefert. Auch seine Violinschule ist ein noch heute viel beachtetes Werk.

Mit dem 1822 gegründeten "Caecilienverein" verfügte Louis Spohr über einen Chor, mit dem er nicht nur zeitgenössisches Liedgut sondern auch Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts pflegte. Bemerkenswert sind auch seine geistlichen Kompositionen, z. B. das 1826 vollendete Oratorium "Die letzten Dinge".

Doch nicht nur der Musiker verdient unsere Bewunderung: Louis Spohr war ein humanitär handelnder, nach sozialen Verbesserungen strebender homo politicus, dessen Schüler an alle wichtigen Opernhäuser und Musiktheater der Welt engagiert wurden.

Jahrzehntelang hat der hervorragende Violinvirtuose, Dirigent, Komponist und Musikpädagoge Louis Spohr als kurfürstlicher Generalmusikdirektor in Kassel gewirkt. Ihm ist die Einrichtung einer Witwen- und Waisen-Kasse und eines Pensionsfonds zu verdanken, der die Hinterblieben verstorbener Kapellmitglieder unterstützte. Ohne diese Unterstützung hätte die Familie eines Musikers nach dessen Tode keine oder lediglich nur eine sehr geringe Rente oder Pension erhalten.

Die Stadt Kassel verlieh dem berühmten Generalmusikdirektor Louis Spohr am 4. Februar 1847 die Ehrenbürgerwürde. Am 22. Oktober 1859 starb Louis Spohr in Kassel. Er ist in einem Ehrengrab beigesetzt.

Das Louis-Spohr-Denkmal auf dem Opernplatz, dem späteren Spohr-Platz, enthüllt anlässlich seines hundertsten (!) Geburtstags im Jahr 1883, hat bis heute einen prägenden Einfluss auf das Stadtbild von Kassel.

2004 wurde die „Louis-Spohr-Stiftung“ unter dem Dach der „Bürgerstiftung für die Stadt und den Landkreis Kassel“ errichtet. Sie widmet sich der Förderung von begabtem musikalischem Nachwuchs.

 

Quelle: Louis-Spohr-Stiftung