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28. Spohr-Wettbewerb- und Meisterkurs • Harfe – eine Nachlese

HNA 12. Oktober 2026

Klänge zwischen Eleganz und Poesie
Die Louis-Spohr-Stiftung rückte junge Harfentalente ins Rampenlicht

GEORG PEPL
Der Komponist und Geiger Louis Spohr fühlte sich der Harfe eng verbunden – nicht zuletzt aus Liebe: Seine erste Frau Dorette, geborene Scheidler, war die bedeutendste Harfenistin des frühen 19. Jahrhunderts. Bereits vor Spohrs Ernennung zum Kasseler Hofkapellmeister erlangte das virtuose Paar europaweiten Ruhm. Mit ihrem gemeinsamen Spiel verzauberten sie das Publikum so sehr, dass Zeitgenossen darin eine nahezu himmlische Musik zu hören glaubten. Vor diesem Hintergrund war es umso schöner, dass die Region in der vergangenen Woche zu einem Zentrum feinsinniger Harfentöne wurde. Die Louis-Spohr-Stiftung präsentierte zwei Veranstaltungen, die ganz im Zeichen des edlen Zupfinstruments standen: den 28.
Internationalen Louis-Spohr-Wettbewerb und ein Festival mit Meisterkursen auf derJugendburg Sensenstein.
Am Freitag durchwehte ein Hauch von Klangmagie den Kasseler Ständesaal, als junge Talente das Abschlusskonzert der Meisterkurse gestalteten. Die Harfenistinnen Eugenia Alfier, Emilia Euler, Rio Goto, Ligia Nowak und Momoko Komori sowie der Harfenist Jamaal Kashim zogen die rund 50 Zuhörer mit exquisiter Musikalität in den Bann.
Um nur einige Glanzlichter zu nennen: Eugenia Alfier überzeugte mit Spohrs für Dorette komponierter Fantasie c-Moll. Emilia Euler bewies, dass Smetanas berühmte sinfonische Dichtung „Die Moldau” auch in einem reinen Harfenarrangement eine Fülle musikalischer Bilder entfaltet. Ein besonderer Höhepunkt gelang Rio Goto mit einem Werk der klassischen Moderne: Die 14-jährige Japanerin lotete die Eleganz und zarte Poesie in
der Harfensonate von Paul Hindemith perfekt aus.
Nach dem Konzert blieb es spannend. Im Beisein des Stifters Harald Jansa wurde ein mit 1000 Euro dotiertes Stipendium des Irma- und Karl-Jansa-Musikfonds verliehen. Lorenz Becker, der Vorsitzende der Louis-Spohr-Stiftung, gab Rio Goto als Gewinnerin
bekannt.
Juryvorsitzender war der international gefragte Harfenist Joel von Lerber, Sieger des Louis-Spohr-Wettbewerbs von 2013. Passend zum festlichen Abschluss des Abends kam auch die Harfenistin Ekaterina Dvoretskaya auf die Bühne, die den diesjährigen Wettbewerb am vergangenen Mittwoch für sich entschieden hatte.